Unsere Schule
Die Lindenschule – einzige Schule dieser Schulform in der Stadt Aachen/Träger seit 2009: Städteregion Aachen – arbeitet im Primarbereich und unterrichtet ihre Schüler grundsätzlich nach den Lehrplänen der Grundschule, wobei jedoch die Unterrichtsinhalte und Lernprozesse unter sprachheilpädagogischen Gesichtspunkten individuell modifiziert werden.
Die Ausstattung der Schule entspricht grundsätzlich dem Standard der Grundschule (Neue Medien, Schulbücher, Fachräume usw.). Zusätzlich verfügt die Schule über ein breites Angebot an Förder-, Test- und Übungsmaterial für alle Unterrichtsfächer.
Seit Beginn des Schuljahres 2005/06 wird die Schule in Form der „Offenen Ganztagsgrundschule“ (OGS) geführt.
Unsere Schülerinnen und Schüler
Die Lindenschule steht all denjenigen Kindern im Grundschulalter offen, die Förderung im Bereich Sprache/Kommunikation benötigen und deren Förderbedarf so gravierend ist, dass sie weder durch ambulante schulbegleitende Maßnahmen noch im gemeinsamen Unterricht (GU) oder in der „integrierten Eingangsphase“ in einer Grundschule adäquat gefördert werden können.
Es handelt sich hierbei in der Regel um hochgradig entwicklungsverzögerte Kinder im Bereich Sprache/Kommunikation mit den Symptomen des multiplen oder universellen Stammelns und/oder des Dysgrammatismus oder um zentral sprachgestörte Kinder.
Daneben finden sich früh erworbene Störungen der ausgebildeten Sprache wie Aphasie oder Dysphasie.
Weiterhin sind Störungen wie Stottern, psychogene Stummheit, schwere Stimmstörungen und Sprachbehinderungen als Folge krankhafter Veränderungen der Sprechorgane vorzufinden.
Bei alledem zeigen Kinder mit dem oben genannten Förderbedarf in der Regel, neben den genannten Störungen im sprachlichen Bereich, auch – mit unterschiedlicher Gewichtung - vermehrt Auffälligkeiten in der Motorik und im Sozial- und Lernverhalten.
Der Komplexität der Störungsbilder und deren Diagnose und Förderung wird durch einen zeitlich gedehnten schulischen Rahmen entsprochen, dem eine den 4 Grundschuljahren vorangestellte Eingangsklasse mit intensiver Diagnose und Förderung in den Bereichen Wahrnehmung, Motorik, Konzentration und Sprache (Artikulation, Wortschatz, Satzbau) nach dem Konzept psychomotorischer Förderung und sensorischer Integrationsförderung Rechnung trägt.
Die Eingangsklasse/E-Klasse
Die Eingangsklasse (E-Klasse) ist an den Förderschulen mit dem Förderschwerpunkt Sprache, Primarstufe obligatorisch.
Im Gegensatz zur Grundschule beginnt die Schulzeit an der Lindenschule nicht mit dem ersten Schuljahr, sondern mit der Eingangsklasse. Dabei handelt es sich nicht nur um ein verlängertes 1. Schuljahr, sondern die besonderen Lernvoraussetzungen der sprachbehinderten Schüler/Innen erfordern eigene Schwerpunkte für dieses erste Jahr, s. auch SIC.
Der E-Klasse kommt eine unverzichtbare Bedeutung zu, da die basalen Lernvoraussetzungen geschaffen werden und Zeit für Diagnostik genutzt werden kann.
Die Eingangsklasse ist der ersten Klasse vorgeschaltet und bietet den Kindern ein zusätzliches Jahr zum Erwerb der Schriftsprache. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Entwicklung ihrer Voraussetzungen, beispielsweise der phonologischen Bewusstheit. Zudem haben die Kinder die Möglichkeit Entwicklungsrückstände aufzuholen. Im mathematischen Bereich bewegen sich die Kinder der Eingangsklasse schwerpunktmäßig im pränumerischen Bereich. Inhalte aus dem Lehrplan des ersten Grundschuljahres werden mit sonderpädagogischen Inhalten verbunden.
Die Eingangsklasse bietet auch für einige Kinder mit geringen sprachlichen Beeinträchtigungen und leichten Entwicklungsverzögerungen die Chance einer Rückführung nach der Eingangsklasse in die Grundschule.
Die Eingangsklasse ist eine Diagnose- und Förderklasse. Im ersten Schulbesuchsjahr steht neben schulischen Inhalten die prozessorientierte Diagnostik aller Entwicklungsbereiche im Vordergrund. Basierend auf den Ergebnissen der Eingangsdiagnostik wird unter Berücksichtigung der individuellen Lernvoraussetzungen für jedes Kind ein sonderpädagogischer Förderplan erstellt. Alle Diagnostikergebnisse sowie die darauf aufbauenden individuellen Förderpläne liefern die Grundlage für die Gestaltung des Unterrichts, der Therapie und der Fördermaßnahmen in der Eingangsklasse.
Sprachbehinderungen im Kindesalter sind in der Regel multifaktoriell bedingt. Daher erfüllen sprachbehinderte Kinder, die schulpflichtig werden, häufig noch nicht alle Voraussetzungen, die an einen Schulanfänger gestellt werden. Neben den Beeinträchtigungen im sprachlichen Bereich bestehen häufig auch Entwicklungsrückstände in den sprachtragenden Basisfunktionen sowie in anderen Lern- und Entwicklungsbereichen:
- Sensomotorik (Erwerb von Basiskompetenzen: Gleichgewicht, Auge-Hand-Koordination / sensorische Integration)
- Lern- und Arbeitsverhalten (Erwerb von Schlüsselkompetenzen: Konzentration, Ausdauer, Selbstständigkeit, Lernbereitschaft …)
- Kognition (Merkfähigkeit, Handlungskompetenz, …)
- sozial-emotionales Verhalten (Selbstwertgefühl, Selbstvertrauen, Anbahnen und Ausbauen sozialer Kontakte, Gruppenfähigkeit, …)
- grundlegende mathematische Fähigkeiten (Pränumerik, …)
- Voraussetzungen des Schriftspracherwerbs (phonologische Bewusstheit, Graphomotorik, … )
Ziel der Eingangsklasse ist es, Entwicklungsrückstände in diesen grundlegenden Bereichen, die zur Sprachentwicklung beitragen, aufzuholen. Im Sinne einer ganzheitlichen Förderung ergeben sich Förderziele für die Schüler der Eingangsklasse, die nicht nur das Lern- und Arbeitsverhalten im engeren Sinne betreffen. Stattdessen werden Entwicklungsbereiche der gesamten Persönlichkeit angesprochen, die sich auf das Lernen und Leben der Kinder auswirken. Schwerpunktmäßig werden Basisfähigkeiten in den verschiedenen kindlichen Entwicklungsbereichen (Sprache, Kognition, Grob- und Feinmotorik, Wahrnehmung, Emotionalität, Sozialverhalten) sowohl im Unterricht als auch in kleineren Lerngruppen oder in der Therapie gefördert. Mit dieser Basisförderung sollen die Grundlagen geschaffen werden, sich schulischen Inhalten zuwenden zu können. So können die individuellen Lernvoraussetzungen unterstützt und die Kinder allmählich an das schulische Leben und Lernen herangeführt werden.
Die Förderschule mit dem Förderschwerpunkt Sprache versteht sich als Durchgangsschule mit dem Ziel, die ihr anvertrauten Kinder möglichst bald rehabilitiert in die Heimatgrundschule zurückzuführen oder einen dem Förderbedarf des Kindes möglichst optimal entsprechenden anderen Förderort zu finden.
Rückschulungen oder ein Wechsel des Förderortes finden meist am Ende des 1. bzw. 2. Schuljahres statt, wenn die grundlegenden Kulturtechniken erlernt sind.
Die durchschnittliche Verweildauer eines Kindes an der Lindenschule beträgt 3 Jahre.
Nur ca. 20 % der Schülerschaft besucht noch das dritte und vierte Schuljahr der Lindenschule.
Danach ist ein Wechsel zur Förderschule mit dem Förderschwerpunkt Sprache – Sek.I – in Stolberg möglich, sofern im Einzelfall noch ein erheblicher Förderbedarf im Bereich Sprache/Kommunikation besteht.
Ansonsten stehen den Schülern im Rahmen ihrer Leistungsfähigkeiten alle weiterführenden Schulen offen .
Die Aufnahme eines Kindes in die Förderschule mit dem Förderschwerpunkt Sprache erfolgt im Rahmen der Ausbildungsordnung über die sonderpädagogische Förderung (AO – SF).
Die Einleitung des Verfahrens erfolgt durch die für den Einzugsbereich zuständige Grundschule oder über die Eltern.
Im dialogischen Prinzip erstellen Lehrer/innen der Grundschule und Förderschule unter Einbeziehung/Beteiligung der Eltern ein Gutachten, wobei die Diagnose relevanter Fachleute und Institutionen, wie u.a. Schulärzte, Fachärzte, Schulpsychologen, Logopäden, audiologischem Zentrum, SPZ, Klinikum der RWTH usw. einbezogen werden, dass mit einem Vorschlag über den zukünftigen Förderort abschließt.
Die untere Schulaufsicht entscheidet daraufhin über den bestmöglichen Förderort.
Unsere Arbeitsweise
Die Lindenschule – Förderschule mit dem Förderschwerpunkt Sprache – arbeitet ganzheitlich, sodass jeder Unterricht auch Therapie ist.
- Daneben finden in den 5. und 6. Stunden additive sonderpädagogische/ therapeutische Maßnahmen statt.
- Weiterhin findet an 2 Unterrichtstagen Krankengymnastik für zur Zeit ca.8 -10 Schüler und Schülerinnen statt (z. Zt. wegen des Wechsels der kooperierenden Praxis erst wieder nach den Osterferien),
- An 4 Wochentagen arbeiten 3 Logopäden vormittags mit einer wechselnden Anzahl von Kindern (ca. 15 – 20).
- Um einen möglichst intensiven, professionellen Austausch aller am System beteiligten Personen zu gewährleisten sind die mindestens zweimal im Jahr stattfindenden Gesamtkonferenzen so organisiert und strukturiert, dass dieser Austausch gewährleistet ist.
- Die Schule verfügt über eine Turnhalle, eine kleine Pausenhalle, einen Gymnastikraum, einen Musikraum, einen Werkraum, eine Küche, drei kleine Therapie- bzw. Gesprächsräume und einen großen Mehrzweckraum, der im Rahmen der offenen Ganztagsschule (OGS) als Mensa und Hausaufgabenraum genutzt wird.
- Die Eingangsklassen unserer Schulform verstehen wir als Diagnose- und Förderstufe, s. Ausführungen weiter oben. Sie bilden sozusagen das “Herzstück” unserer Schule. In einzelnen Fällen kann nach intensiver Förderung und Diagnose (informelle Tests, standardisierte Verfahren, Beobachtung, Stand hinsichtlich des Lern-, Leistungs- und Sozialverhaltens) schon nach einem Jahr festgestellt werden, in welchem Bereich der primäre Förderbedarf besteht. In den meisten Fällen wird eine Entscheidung zum Ende des 2. Schuljahres getroffen, wenn die “Kulturtechniken” abgeschlossen sind.
Die Überprüfung – ob und welcher Förderbedarf besteht – erfolgt kontinuierlich.
Die Entscheidung (Schulwechsel/Verbleib) – gleich welcher Art – wird äußerst sorgfältig vorbereitet und mit den Eltern intensiv besprochen. In fast allen Fällen kann bei den Eltern Einsicht für die erforderliche weitere Schullaufbahn hergestellt werden.
- Da in den Eingangsklassen bereits ca. die Hälfte des Stoffes des 1. Grundschuljahres vermittelt wird, (dies kann je nach Schülerklientel nach oben und unten differieren) können wir Schüler, die aus dem Sonderkindergarten oder integrativen Kindergärten gemeldet werden, nur in eine Eingangsklasse einschulen, da ansonsten eine individuelle Förderung erforderlich wäre, die bei Klassenfrequenzen von nunmehr durchschnittlich 12 – 15 Schülern nicht zu leisten ist.
Die hiermit verbundene “Überalterung” könnte nur verhindert werden, wenn diese Schüler sofort bei Schulbeginn eine E-Klasse der Förderschule mit dem Förderschwerpunkt Sprache besuchen würden.
- Die Schülerverteilung in den einzelnen Stufen gestaltet sich erfahrungsgemäß so, dass in den 3. und 4. Schuljahren unserer Schule nur noch ca. 20-25% der Gesamtschülerzahl vorzufinden sind (pyramidenförmiger Aufbau), da alle anderen Schüler/innen bereits in verschiedene Grundschulen oder, bei weiterem/anderem Förderbedarf in, dem Förderbedarf entsprechende, andere Förderschulen zurück- oder umgeschult wurden.
- Die Wochenstundenzahl für die Schüler/innen unserer Schule ist, wenn die personelle Besetzung es zulässt, höher als die der Grundschule, bzw. orientiert sich auf jeden Fall an der oberen Grenze der Stundentafel für die Primarstufe.
Die E – Klassen und die Klassen 1 erhalten z.Zt. 20 Wochenstunden, die Klassen 2-4
27 Wochenstunden Unterricht.
Auch bei erhöhtem Krankenstand im Kollegium, oder falls der Unterricht aus anderen Gründen anders organisiert werden muss ( z.B. von Januar bis ca. April Durchführung zahlreicher Überprüfungen im Rahmen der AO – SF ), ist immer gewährleistet, dass die Schüler und Eltern sich auf die Unterrichtsbeginn - und -schlusszeiten verlassen können, s. auch Anlage 14 Vertretungskonzept.
- Da eine “Nachbetreuung” der Schüler, die zur Grundschule wechseln, aus personellen Gründen nicht möglich ist, sind wir dazu übergegangen, in Absprache mit den entsprechenden Grundschulen und den Eltern, den Schülern eine Hospitation an einer Grundschule zu ermöglichen. Der Hospitationszeitraum kann mehrere Wochen betragen und wird von Lehrern und Eltern unterstützend begleitet.
- Den Eltern wird mitgeteilt, dass sie hieraus keinerlei Anspruch auf den endgültigen Verbleib in der Grundschule ableiten können und bei Nichtgelingen der weitere Besuch der Förderschule mit dem Förderschwerpunkt Sprache erforderlich ist.
Bis auf wenige Ausnahmen konnte über dieses Verfahren, der endgültige Verbleib in der Grundschule sichergestellt werden. Die Schulleitung der Lindenschule hat die örtliche Schulaufsicht gebeten, dieses Verfahren zu genehmigen, da es sich als äußerst effizient herausgestellt hat und sowohl die Eltern als auch die Grundschulen hier sehr kooperativ miteinander umgehen.
Zur Absicherung informieren wir die Eltern schriftlich über ihre diesbezüglichen Rechte und Pflichten und werden von der Schulaufsicht bei diesem Verfahren sehr gut unterstützt.
Der ständige Austausch zwischen Förderschule, Grundschule, Elternhaus und Schulaufsicht ist bei diesem Verfahren gewährleistet und hat sich als sehr effektiv gezeigt.
- Mit Vorschuleinrichtungen unterschiedlichster Art, allgemeinen Kindergärten, integrativen Kindertagesstätten, Sprachheilkindergärten, Grundschulen, anderen Förderschulen usw. werden alljährlich diverse Hospitationstermine abgesprochen, die mit einer intensiven Beratung und Information der Eltern einhergehen.
Ebenso steht die Lindenschule allen Einrichtungen, die sich mit Kindern beschäftigen, die Förderbedarf mit dem Schwerpunkt Sprache/ Kommunikation haben nach Absprache zur Hospitation und Beratung offen.
Weiterhin wenden sich Eltern von Kindern, die keine Frühförderung vorschulischer Art erfahren haben direkt an uns und werden gleichwohl informiert und beraten (in der Regel auch hier mit Hospitationen).
Die Vermittlung erfolgt sehr oft über das hiesige Gesundheitsamt, das SHZ, den schul -psychologischen Dienst, das Jugendamt, die RWTH, die Erziehungsberatungsstelle usw..
- Gem. §7 SchpflG Abs. 7 endet die Schulpflicht für sprachbehinderte Kinder nach 11 Schuljahren. Es ist somit möglich, dass ein Schüler nach Verlassen der Förderschule mit dem Förderschwerpunkt Sprache ein Schuljahr wiederholen kann. Dies kann sowohl die Grundschule, als auch eine weiterführende Schule betreffen.
Unsere Mitarbeiter/innen:
In der Schule:
16 Sonderpädagogen/innen
2 LAA
3 Therapeutinnen: Logopädinnen
1 Sekretärin
1 Hausmeister
In der Offenen Ganztagsschule (Nachmittagsbetreuung):
6 Erzieherinnen
3 Sonderpädagogen mit unterschiedlichen Förderangeboten
2 pädagogische Hilfskräfte
1 Musikpädagoge
1 Kunstpädagogin
1 Logopädin
2 Übungsleiter mit Arbeitsschwerpunkt Fußballtraining und Basketball
1 Übungsleiterin Bewegungsspiele
1 Übungsleiter mit Schwerpunkt Selbstverteidigung
1 Küchenkraft
Unsere Ziele
- Bestmögliche Förderung sprach- und kommunikationsgestörter Grundschüler/innen im Rahmen der entsprechenden Richtlinien.
- Beratung und Unterstützung der Eltern unter Hinzuziehung auch außerschulischer Institutionen und Therapieangeboten
- Gute Vorbereitung und baldige Rückschulung der Schüler/innen in die Grundschule.
- Gemeinsam mit den Eltern, im Rahmen der Schullaufbahnberatung, bei Bedarf Suche nach dem am besten geeigneten Förderort für ihr Kind,
- u.U. mit der Konsequenz eines Wechsels des Förderorts

